Was ist gute Führung in einer sich rasant verändernden Arbeitswelt? Wenig hilfreich sind vermeintliche Schnellschüsse aus der Ecke NewWork und Agilität, wie „am besten Führung abschaffen“ oder „soll nicht im Weg stehen“. Solange in den meisten Organisationen Hierarchie und Führungsfunktionen vorherrschen, ist es aber sinnvoller in einen substanziellen Austausch zu gehen, was Führung in Zukunft ausmachen wird, was sich grundlegend verändert, was eventuell auch nicht, um sich dann in einen möglichst bewussten Lern- und Veränderungesprozess zu bewegen. Eingehend und methodisch fundiert hat sich mit dieser Frage die Wertestudie „Zukunft der Führung“ auseinandergesetzt, initiiert durch das „Forum Gute Führung“[1] und begleitet von Prof. Dr. Kruse (Forum Gute Führung 2014). Mit Hilfe einer speziellen Interviewtechnik wurden die kollektiven, unbewussten Wertemuster zum Thema Führung von über 400 Führungskräften erhoben: Der rasante Wandel der Arbeitswelt beeinflusst maßgeblich den Werteraum der Führung in Unternehmen. Werden Führungskräfte gefragt, welches die zentralen Herausforderungen bei der Veränderung der Arbeitswelt sind, ähnelt die Antwort in weiten Zügen dem, was als Ursache für Belastung und Stress gesehen wird: Zunehmende Komplexität und Beschleunigung der Umwelt, meist verbunden mit den Effekten der Globalisierung und Digitalisierung, gleichzeitig steigende Erwartungen hinsichtlich Effektivität und Effizienz bei oft bürokratisch verkrusteten Hierarchiestrukturen. Prof. Dr. Kruse fasst die wesentlichen Ergebnisse so zusammen:

Die Studie „Zukunft der Führung“ zeigt die kontrastierenden Entwicklungstrends, die zukünftig gute Führung ausmachen werden:

  • Aufwertung von Innovationsfähigkeit, Sinn- und Werteorientierung statt einseitiger Dominanz von kennzahlengestützter Effizienz
  • Kooperative Führungsmodelle und Empowerment werden wichtiger als instrumentell gestützte Kontroll- und Anreizmechanismen
  • Arbeit in selbst organisierenden Teams über Strukturgrenzen hinweg statt in Abteilungssilos mit rigider Arbeitsteilung
  • Professionalisierung von Mitarbeiterführung und Aufbau von Kooperationsstrukturen statt technokratischer Managementsysteme
  • Offene Feedback- und Dialogkultur statt starrer Regelkommunikation und Anweisungskultur top-down
  • Wandel bedarf der Moderation offener Transformationsprozesse in der Organisation statt einer vermeintliche Planbarkeit in technokratischer Changemanagement-Logik

In der konstruktiven Weiterentwicklung von Organisation und Führung sieht Kruse es nun als wesentlich an die genannten Trends nicht etwa als neue Anforderungskataloge an Führungskräfte zu verstehen, die damit zu noch mehr Überlastung sorgen, sondern vielmehr als Basis für eine gemeinsame Aushandlung und Reflexion in der Organisation: Mitarbeitende, Führungskräfte, Teams, Führungskollegen müssen miteinander in einen offenen und zielführenden Dialog treten, um gemeinsam auszuloten und zu vereinbaren, welche Art von Führung es in der sich wandelnden Arbeitswelt  braucht. Das erfordert wiederum Führungskräfte, die sich bewusst in ein solches Entwicklungsfeld begeben, die mit den eigenen Ängste bezogen auf die Veränderungen umgehen kann und sich sowohl der Chancen als auch der Notwendigkeit des grundlegenden Wandels ihrer Führungsrolle bewusst sind.

[1] „Forum Gute Führung“ ist ein Projekt im Rahmen der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) und wird gefördert durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS).

‚Gute Führung‘ in einer sich wandelnden Arbeitswelt