Intuition ist eine Schlüsselkompetenz im Rahmen professioneller Selbststeuerung und eröffnet eine Vielzahl von Kompetenzfeldern für Führung und Zusammenarbeit:

Umgang mit Komplexität: Komplexität entsteht bei hoher Vernetzung der problemrelevanten Faktoren und einer hohen und unvorhersehbaren Veränderungsdynamik im Laufe der Zeit. Um dies zu bewältigen, greift die intuitive Kompetenz auf die ebenfalls hohe Komplexität unbewusster Prozesse des Menschen zurück, die Informationen weit über die bewusste Wahrnehmung hinaus verarbeiten können.

Entscheidungsfindung: Intuitive Kompetenzen bieten die Möglichkeit, komplexe und rational schwer fassbare Informationen und Situationen zu managen, bei der eine rein rational orientierte Vorgehensweise überfordert wäre. Dies ist der Fall bei unzureichender, überbordernder oder widersprüchlicher Datengrundlage und hohem Zeit- und Handlungsdruck. So kann es bei einer OE-Maßnahme von Bedeutung sein, sowohl sogenannte `hardfacts´ zu berücksichtigen, als auch zunächst eher diffuse Informationen, die aber in ihrer Auswirkung erheblich sein können, wie die Atmosphäre im Unternehmen, die Geschichte vorangegangener Veränderungen oder parallelen Projekte.

Richtiges Timing: Für die Umsetzung von Projekten oder die Durchführung  von Veränderungsmaßnahmen ist neben einer genauen Planung ein Gespür für das `richtige´ Timing und den `richtigen´ Zeitpunkt wichtig. Diese Zeitqualität (Kairos), richtet sich weniger nach messbaren und kalkulierbaren Faktoren, sondern mehr nach passenden Konstellationen im Gesamtzusammenhang einer Aktion. Daher lassen sich diese Zeitqualitäten auch kaum rational bestimmen, sondern äußern sich eher einem unmittelbaren Gefühl von Energie und der Intuition zu handeln, wie es von vielen berühmten Unternehmensgründern gerade in turbulenten Anfangsphasen immer wieder berichtet wird.

Sinn für Wesentliches: In der immer unübersichtlicher werdenden Arbeitswelt besteht zunehmend die Gefahr, die eigenen Kräfte in der Vielfalt  zu erschöpfen. Intuitiv können jedoch die meisten Menschen wahrnehmen, was in Bezug auf die eigene Entwicklung wirklich bedeutend und wichtig ist. Dieser intuitive Sinn für Wesentliches lässt daher einen stimmigeren Einsatz der eigenen Ressourcen zu.

Soziale Kompetenz: Informationen in Beziehungen werden oft unbewusst und intuitiv wahrgenommen. Der Umgang mit solchen subtilen Signalen, etwa in der nonverbalen Kommunikation und oder im Umgang mit einer Teamatmosphäre, ist bei der Entwicklung sozialer Kompetenzen wesentlich. Auch in beruflichen Zusammenhängen ist es oft bedeutend, das Gegenüber richtig einschätzen zu können und einen guten emotionalen Kontakt aufzubauen, sei es im Umgang mit Kollegen und Mitarbeitern als auch im Kontakt mit Kunden und Geschäftspartnern.

Förderung von Synergie: Bei der konkreten Arbeit eines Teams führt intuitive Abstimmung der Mitglieder aufeinander zu einer deutlich besseren Performance, da  die Kräfte der Einzelnen gebündelt und in eine konstruktive, sich ergänzende Beziehung gesetzt werden. Dies lässt sich gut bei erfolgreichen Teams in Sport und Kultur beobachten.

Kreativität: Intuition und die Nutzung unbewusster Potentiale bietet einen Schlüssel für Kreativität und generative Aufgaben, wie z.B. im Innovationsmanagement. So ist Intuition ein notwendiger Teil eines kreativen Denk- und Handlungsprozesses, zum Beispiel in den unbewussten Phasen der Inkubation (Ruhen lassen) und Illumination (Aha-Erlebnis, Einsicht). Gerade für das Finden neuer Entwicklungen und Innovationen ist die Fähigkeit zur scheinbar nichtlogischen Verknüpfung und assoziativem Denken essentiell.

Visionsbildung: Im Bereich der Arbeit mit Visionen hat Intuition eine doppelte Bedeutung: zum einen stellt sie bei der Generierung einer Vision den Zugang zu symbolischen, oft unbewussten Bildern her, auch und vor allem in einem Gruppenprozess. Zum anderen soll eine Vision ja nicht nur ein oberflächliches Hochglanzbild darstellen, sondern Mitarbeiter und Kunden auf einer sinngebenden, oft auch unbewusst-intuitiven Ebene ansprechen und dort wirksam werden. Bei der Planung und Umsetzung in einer komplexen, sich schnell verändernden Umwelt können durch intuitive Einschätzungen oft langfristige Wirkungen und Entwicklungen wahrgenommen und berücksichtigt werden.